Als ich den Riesensohn dazu ermutigte, ein Weihnachtsmärchen für die Oma zu schreiben, ahnte ich nicht, dass dies dabei herauskommen würde.

Das rätselhafte Monster

von Melek Marius Solanum (mit Kommentaren von Mara Solanum)

Es war einmal eine Prinzessin, der hatten die Eltern verboten, allein in den Garten zu gehen. Eines Morgens machte sie sich dennoch voller Neugier auf den Weg und als sie an die Klinke des Gartentores anfasste, kam sie nicht mehr davon los. Sie zog und zog, aber die Hand blieb fest an der Klinke kleben.

Da hörte sie eine Stimme, die rief …

(soweit die Vorgabe der Deutschlehrerin, ab hier schrieb der Riesensohn alleine weiter. Ich war mir sicher, er würde das gruselige, ironische Märchen als Grundlage nutzen, für das er im Aufsatz eine zwei plus bekommen hatte. Also eine sichere Bank – so dachte ich. Was für ein Irrtum. Er änderte kurzerhand den Plot.)

mit einem sehr gruseligen Klang: „Verschwinde, wenn dir dein Leben lieb ist!“ Auf einmal konnte sie ihre Hand wieder von der Türklinke wegnehmen. Plötzlich kam ein heftiger Wind auf und sie erschrak. Sie wollte wegrennen. Auf einmal stolperte sie. Die Prinzessin blickte hin und sah eine Baumwurzel. Als sie sich umdrehte, bemerkte sie ein Grab in dem Garten. Regungslos blieb sie liegen. Sie beobachtete, wie eine grüne Gestalt aus dem Grab herauskroch. Die Person ging ganz langsam auf das Tor zu.

(Okay, die Lehrerin hatte „Da hast du ja ein richtiges Gruselmärchen geschrieben!“ unter den Aufsatz geschrieben.)

Als sie das Tor öffnete, kam ein noch heftigerer Wind auf. Es wurde allmählich dunkel. Nun erst bemerkte sie, dass die grüne Gestalt auf sie zukam. Sie wich langsam vor dem Ungeheuer zurück. Das Wesen kam immer näher. Plötzlich stieß sie gegen einen Baum. Sie kämpfte sich hoch und floh, so schnell sie konnte, zum Schloss.

(Ab hier änderte der Riesensohn seine Strategie und baute den Erzählstrang „Ungeheuer“ in epischer Breite aus.)

Als sie vor dem Schloss stand, blickte sie zu der Gestalt. Ohne dass sie es bemerkt hatte, war das Monstrum direkt hinter ihr aufgetaucht. Bevor sie etwas tun konnte, streckte die Gestalt eine Hand nach ihr aus. Plötzlich ging das Schlosstor auf und eine Wache öffnete. Sofort flitzte die Prinzessin in das Schloss. Als sie sich umdrehte, war die Gestalt nicht mehr zu sehen. Sie rannte wieder raus, blickte auf die Wand und sah im letzten Moment, wie das Monster in ein Fenster stieg. Sie alarmierte die Wachen. Doch als die Wachen in dem Flur ankamen, wo das Monster eingestiegen war, war nichts zu sehen. Sie gingen in das Nebenzimmer und sahen, wie das Monster riesige Spinnenweben webte.

(Spätestens jetzt wird es wild und ich weise (meines Erachtens völlig zurecht!) den Riesensohn darauf hin, dass es sich hier um ein Weihnachtsgeschenk handeln sollte.)

Sie zückten ihre Waffen und versuchten, an das Monster heranzukommen, doch dabei stellte sich heraus, dass die Spinnweben zu hart für Schwerter waren. Außerdem blieben die Waffen an den Netzen kleben. Das Monster baute weiter und erstellte sich ein selbstgemachtes Grab. Nun legte sich das Monster hinein. Die Wachen stellten Wachposten auf. Am nächsten Morgen versuchte man es wieder, doch das Monster war,als sie den Deckel den Sarges öffneten, verschwunden.

(Mir persönlich reichte das schon an Spannungsbogen, doch warum sollte man es bei einem Spinnennetze webenden Monster belassen?)

Man befragte die Wachposten, ob ihnen letzte Nacht etwas Merkwürdiges aufgefallen wäre. Dabei stellte sich heraus, dass das Monster mit langen Tentakeln nach den Wachposten gegriffen hatte und sie anscheinend betäubt hatte. Sie waren erst vor wenigen Minuten aufgewacht und mussten zu ihrem größten Bedauern feststellen, dass das Monster geflohen war. Die Wachen durchsuchten sofort das ganze Schloss nach der Bestie und am Ende mussten sie zugeben, dass sie nichts gefunden hatten.

(Der Spannungsbogen steigt und an dieser Stelle erwartete ich nervös so eine Art Alienvermehrung. Aber dieses cineastische Machwerk kennt der Riesensohn noch nicht.)

Also versiegelten sie alle Fenster und Türen. Nur das Portal blieb unversehrt. So musste man nur das Portal bewachen, um herauszufinden, ob das Monster wieder hereinkommt.

Währenddessen …

(Der Riesensohn fragt mich, ob Parallelhandlungen zulässig sind. Ja, das sind sie und sogar erwünscht.)

hockte das Monstrum auf dem Dachboden und hörte jedes Geräusch ab, das unter ihm zu hören war. Als es ruhig geworden war, baute sich das Ungeheuer einen weiteren Schlafplatz. Nun machte es sich daran, Flure und Zimmer auf dem Dachboden zu bauen. Am Ende wurde es ein richtiges Labyrinth, deren Ende sein Schlafplatz war. Es legte sich nun völlig erschöpft in den Sarg und ruhte sich aus. Sie stellten dieses Mal eine größere Gruppe von bewaffneten, trainierten Soldaten auf, die Wache halten sollten. Zur selben Zeit gingen die übrigen Soldaten mucksmäuschenstill durch das gesamte Schloss, um noch einmal nach dem Ungeheuer zu suchen. Diesmal betraten sie auch den Dachboden und standen schon direkt im Labyrinth.

Nach mehr als drei Stunden, …

(Das muss ein wahrhaft monsterartiges Labyrinth gewesen sein!!)

waren sie am Schlafplatz des Ungeheuers angekommen, diesmal unbemerkt. Sie öffenten langsam und leise den Sarg.

(An dieser Stelle bemerkte ich dezent, dass ein Sarg aus Spinnweben doch wohl eher ein Kokon sei, aber ich wurde beschuldigt, zu wenig Fantasie zu besitzen. Man könne sehr wohl einen Sarg aus Spinnweben herstellen, man müsse nur die Fäden entsprechend kreuz und quer spinnen.)

Einer der mutigsten Soldaten zog sein Schwert und erstach das Ungeheuer.

(Eher unspektakulär, wie ich bemerke, aber der dramatische Effekt lässt nicht auf sich warten:)

Grün-orangenes Blut spritzte auf. Die Soldaten eilten zügig zu den restlichen Soldaten, die immer noch Wache hielten.

(Und jetzt wird es endlich weihnachtlich!!!)

Sie erzählten ihnen die frohe Botschaft.

Währenddessen mussten die Wachsoldaten den anderen Soldaten berichten, dass ein weiteres Ungeheuer aus dem Grab gestiegen war und die Prinzessin bei lebendigem Leibe gefressen hatte.

(Diese Wendung der Geschichte ist allein der mütterlichen Anmerkung zu verdanken, dass man doch wenigstens der Oma zuliebe eine Happy end einplanen könne. In der ersten Version starb die Prinzessin, Details erspare ich dem geneigten Leser. Ich bitte um Verständnis.)

Die Bogenschützen spannten die Bögen an und erschossen dieses böse Ungeheuer. Sie schnitten es am Bauch durch und sie sahen voller Freude, wie die Prinzessin aus dem Bauch gesprungen kam. Alle freuten sie und feierten ein Fest, weil die Prinzessin wieder zurückgekehrt war.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann feiern sie noch heute.

In diesem Sinne wünsche ich weiterhin frohe Feiertage und ein gutes Jahr 2018!

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4 Antworten zu “Als ich den Riesensohn dazu ermutigte, ein Weihnachtsmärchen für die Oma zu schreiben, ahnte ich nicht, dass dies dabei herauskommen würde.

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