Als Dietrich unsere Wurst aufaß. Oder: Darf man mit Besucherkindern schimpfen?

Bisher kannte ich einige Einkindmütter, die sich gerne ein Kind bei mir ausliehen, damit ihres einen Spielpartner hat. Nie habe ich Leasing-Gebühren verlangt. Im Gegenteil: Ich habe diesen Müttern glaubhaft versichert, dass ich ihr Kind vermutlich niemals ausleihen würde, weil ich dann Angst um Leib und Leben um das psychische und physische Wohlbefinden habe. Das der Kinder und meines.

Da meine Kinder sich bei fremden Menschen ungewöhnlich vorbildlich benehmen, haben sich die Einkindmütter eigentlich nie etwas draus gemacht:

„Das war kein Problem, die beiden spielten im Zimmer und ich konnte drei Stunden lang bügeln.“

„Laut? Nein, wirklich nicht. Während Maxe hier war, habe ich den ganzen Garten umgejätet.“

„Ach, die Kinder waren in ihrem Zimmer, ich habe sie gar nicht gehört.“

Ich wünschte, ich könnte nur einmal so eine ähnliche Aussage treffen.

Inzwischen kennen meine Kinder auch Familien, in denen mehr als ein Kind vorkommt.

Und damit war die Ausrede ade, ich habe mittlerweile ab und an vier Kinder hier spielen, und wenn man mal vom vorletzten Mal absieht, das mit dem Rettungswagen und einer schockheulenden Mutter (ich) endete, ist es auch immer gut gegangen. Gott sei Dank, war es nicht das Besucherkind, das abtransportiert worden ist.

Bis wir Dietrich kennen lernten,

lebte ich sogar in der irrigen Illusion, dass die Beaufsichtigung und unbeschädigte Abgabe der Besucherkinder einfacher werden müsse. Kinder werden größer. Und vernünftiger. Oder?

Dietrich tat, was alle Besucherkinder hier tun, es scheint eine Art Initiationsritus zu sein. Er schleppte gemeinsam mit meinen Kindern ALLE Bettdecken des Hauses auf den obersten Treppenabsatz und rutschte huiiiiiiiiiiiiiii damit zwei Stockwerke hinunter bis ins Erdgeschoss.

So weit, so bekannt. Dann erwischte ich die Wurst in Dietrichs Hand. Scheibenwurst. Zehn Scheiben übereinander, mit zwei großen hungrigen Jungsbissen verunziert. Und da bekam ich dann doch ne Krise.

„VERDAMMTE HACKE“, brüllte die friedliebende Frau Solanum durch die Küche, „kannst du nicht FRAGEN, wenn du Hunger hast?? Und hundert heulende Höllenhunde, wenn du schon die Wurst nimmst, nimm dir ein Brot dazu!“

Dietrich blickte mich aus blauen Augen an: „Aber ohne Brot schmeckt Wurst doch viel besser?“

Der ansonsten beste Ehemann der Welt wunderte sich übrigens über meinen Ausbruch: „Das hättest du dir doch denken können“, sprach das Orakel, „die haben doch vorher das Küchenrollo heruntergekurbelt.“

Was zum Geier?!

Die Problemlösung sieht derzeit ganz simpel aus: Wenn schon Besucherkinder, dann gehen wir in den Park. Dann rennen sie alle herum wie die Wilden, und durch die lichten Bäume kann ich ab und an einen Blick auf bunte Regenjacken erhaschen. Und wenn ich sie nicht mehr sehe, folge ich einfach dem Peilsender. Diese fernlenkbaren Elektroschocker wirken übrigens auch ganz gut.

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13 Antworten zu “Als Dietrich unsere Wurst aufaß. Oder: Darf man mit Besucherkindern schimpfen?

    • Siebenjährige springen einfach drüber. Schon getestet. Aber D. hat die Kühlschrankkindersicherung nicht aufbekommen, die wir wieder aktiviert haben.

  1. schön finde ich den Link unter dem Artikel:
    „Ähnliche Beiträge: Warum ich niemals schimpfe….“

    Übrigend, als du den schriebst, dachte ich: „Mist also isse doch perfekt.“ Das hier lässt mich wieder hoffen. 😉
    Bissle vom Thema ab, musste aber raus 🙂

    • Meine Liebe, vermutlich hast du besagten Artikel nie gelesen. Darin mache ich ganz deutlich, dass ich sehr wohl schimpfen und meckern kann und das auch tue. Vielmehr ist der Artikel der Versuch, eine Utopie zu beschreiben, die niemals ganz erfüllt werden kann.
      Perfekt bist ja nur du!

  2. Natürlich habe ich den nie gelesen. Dazu habe ich gar keine Zeit, denn ich kümmere mich 24h am Tag nur um die Kinder. Ich dachte ich kann mal so tun, als ob, und es merkt keiner. Hat nicht geklappt.
    Apropos, hast du eigentlich meine SMSse nie gelesen? Ich habe nämlich die perfekte Idee: Spielplatz, Sonne genießen, Kekse futtern.
    Also?

  3. Ich schmunzle … an unseren Tisch passen gut 7 bis 8 Personen, neulich hatten wir soviele Besuchs-Heranwachsende im Haus, dass wir in zwei Schichten essen mussten. Die futtern dann nicht nur ein wenig Wurst, danach ist der Kühlschrank leer 😉

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