Wann arbeiten eigentlich Mütter?

Also, ich meine, so richtige Arbeit, so eine, mit der man Geld verdient, auch wenn der Stundenlohn jämmerlich ist.

Gestern wollte ich damit anfangen, mit der Ausarbeitung eines Workshops, den ich glücklich in zwei Wochen halten werde.

So Gott will, und ich lebe.

Erster Versuch: MONTAG.

Am Montag aufzustehen war schon nicht leicht. Den Sonntag hatte ich mit einem Bild verbracht, mit dem ich hoffentlich viel Geld verdienen werde, für das ich sicherlich acht bis zehn Stunden gebraucht habe. Fazit: Auch Malen ist Arbeit. Was war ich k.o..

Ich Dummerle hatte für eben diesen Montag meiner Agentin versprochen, ihren Flur zu streichen, hauptsächlich aus egoistischen Motiven: Auf dem schönen Weiß beziehungsweise beruhigend türkisblauem Untergrund bekommen meine Zu-Verkaufen-Bilder eine neue und hoffentlich nur temporäre Heimat. Kann man ja in zwei Stunden durchziehen. Dachte ich. Das bisschen Malen.

Um mich daran zu erinnern, rief die Agentin mich am Vormittag an:

„Was machst du gerade?“

„Ich gucke Tatort.“

„DU GUCKST TATORT??“

„Ich falte einen oder zwei Himalaya-Wäsche-Berge.“

Manchmal hörgucke ich auch Dokumentationen, aber nicht nach so einem Sonntag.

Die Turmschule, die zehn Minuten später anrief, interessierte sich weniger für das, was ich gerade so machte als vielmehr, wann ich kommen könnte, um den großen Riesensohn abzuholen. Er habe Bauchweh und überhaupt kursiere ja zurzeit die Magen-Darm-Grippe.

Gott sei Dank hat die Agentin eine vier Quadratmeter große mit Müll bedeckte Hundetransportkiste ein kleines Auto, und nachdem sie verschiedene Körbe, Kisten, Säcke und Saftflaschen aus dem Fußraum des Vordersitzes entfernt hatte, setzte ich mich beherzt in die Hundehaare und umklammerte meine Handtücher und die Packung mit den Feuchttüchern.

„Was willst du damit??“ fragte die Agentin.

Man merkt, dass sie keine Kinder hat.

„Falls Melek kotzen muss.“ Ist doch logisch.

„Das fände ich aber nicht so gut, wenn er in mein Auto kotzen würde!!!“ Ach, nee.

„Deswegen habe ich ja Handtücher dabei.“ Mütter sind halt gut organisiert.

Es ist erstaunlich, wie sich bei diesen Gesprächen die Gesichtshaut eines Autobesitzters kräuseln kann.

Melek entpuppte sich zwar als schwerkrank, als er glücklich strahlend mit mir die Treppen zum Auto hinunterhopste, aber mit einem Cars-Film und einer Tüte Dinkel-Kekse schaffte er den Nachmittag irgendwie, während Mütterchen den Flur strich. Fast fertig sogar.

Nächster Anlauf: DIENSTAG.

Auf Nachfrage entsann sich der große Riesensohn am Dienstag Morgen, dass er ja Bauchweh habe.

Lasst es mich so sagen: Gegen eine Schule, in der die Panik vor der Pest lodert, komme ich nicht an. Im Geiste sah ich mich den großen Riesensohn schon vor Ablauf der ersten Stunde wieder in Empfang nehmen, nachdem er das Wort „Bauchweh“ unter seiner Bank gewispert hatte. Also blieb er gleich daheim.

Mittags musste ich feststellen, dass sich auch der Kindergarten nicht für mein Wohlergehen interessierte. Ob ich Maxe bitte sofort abholen könne, er wäre kreidebleich und überhaupt, es kursiere ja gerade die … ja, danke, ich weiß schon.

Der schwerkranke Maxe wurde von mir in den Kinderwagenfahrradanhänger getragen, wo ich ihn in Decken und Kissen verstaute und nach Hause ächzte, ein Reifen war platt. Entgegen den Beteuerungen seiner Erzieherinnen („Er wollte nicht einmal essen!“) verlangte Maxe zu Hause nach eben solchem („Ich Hunger habe! Du mir Essen machen!“) und Film („Kranke Kinder Filme gucken? Kranke Kinder viele Filme gucken?“) und kurierte sich mit einer Stunde Feuerwehrmann Sam aus.

Diese Sendung kann ich nur empfehlen. Die beste Medizin, die ich bei hypochondrisch veranlagten Vierjährigen Quarantäne-Patienten kenne. Maxe und natürlich sein Bruder blühten auf und verlangten mit vor Erregung roten Wangen nach immer mehr „Essen!“. Meine Rache beschränkte sich auf die Gabe von Zwieback und Kräutertee.

Als ich um 16 Uhr losmusste, um Sohni abzuholen, schrie ich meinen beiden potenziellen Grippepatienten ein „ICH BIN GLEICH WIEDER DA!“ zu. Keine Ahnung, ob die das bei dem Krach, den sie im Treppenhaus produzierten, überhaupt hören konnten. Verstehe ich schon: Jagen, Fangen und Kissenschlachten sind zum Kreischen da, nicht zum Zuhören.

Der große Riesensohn wurde erst wieder krank, nachdem ich auf die Hausaufgaben hingewiesen habe.

Und was schreibe ich jetzt in das Hausaufgabenheft? Rechnen-Allergie? Akute Unlust? Oder, was der Sache vielleicht näher kommt: Wutanfall?

Morgen ist jedenfalls MITTWOCH,

und wenn wir heil und gesund von der Logopädie wieder nach Hause kommen, es Gott will, und ich lebe, dann kann ich endlich meinen Workshop vorbereiten. Und die Rezensionen schreiben, kurz eine Arbeit machen, mit der ich Geld verdiene. Auch wenn der Stundenlohn jämmerlich ist.

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4 Antworten zu “Wann arbeiten eigentlich Mütter?

  1. Oh weh Du Arme! Also bei drei Kindern wüsste ich auch nicht, wann ich noch arbeiten würde… ansonsten ist es glaube ich ganz gut, dass ich nicht zu Hause arbeite. Drücke die Daumen für heute! Liebe Grüße, MiA

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