Offener Brief an die Geburtstagsgäste

Lieber Simon, lieber Friedrich, Gero, Leon, Jan, Elmo, Xaver und Leonard,

nächstes Jahr organisiere ich einen Gespenster-Nacht-Grusel-Geburtstag, versprochen.

Dann müsst ihr euch auch nicht verkleiden, denn verkleiden, lieber Simon und lieber Gero, verkleiden ist für Babys, das verstehe ich schon, auch wenn es der ausdrückliche Geburtstagswunsch des Geburtstagskindes war, das fast genauso alt ist wie ihr.

Jetzt nachdem deine Mutter, Simon, mich darüber aufgeklärt habt, dass ihr gestern in eurer OGS kein Mittag gegessen habt, weil es eingelegten Hering gegeben hat, jetzt verstehe ich auch, dass ihr wirklich keine Lust auf die Rallye hattet, an deren Ende der Spiderman-Kuchen auf euch wartete. Mit leerem Magen denkt es sich halt schlecht. Dennoch war ich gelinde überrascht, dass die Rallye euch so angeödet hat, dass ihr die Party ohne ein Wort zu sagen, verlassen habt und Xaver gleich noch mitgenommen habt. Gott sei Dank hat Inge euch rechtzeitig wieder eingefangen und an euer moralisches Gewissen appelliert.

Dass ihr, Leon und Jan, ohne einen Blick auf die Schatzkarte zu werfen, vorrausgerannt seid, ohne dem Straßenverkehr auch nur einen Blick zu gönnen, hat mir ehrlich gesagt einen halben Herzinfarkt beschert. Dass ihr wütend auf mich geworden seid, weil ich euch hintergebrüllt habe, weil ihr den falschen Weg eingeschlagen habt, muss ich nicht verstehen. Deine Pistole, lieber Leon, bekommst du selbstverständlich wieder. Sie steckt noch in meiner Handtasche, ebenso wie das Seil des Geburtstagskindes, mit dem es euch verhauen hat.

Ich hätte es sowieso auch wissen sollen, dass einige von euch, ohne auch nur bescheid zu sagen, zum Spielplatz vorrauslaufen würdet; euer Vater hatte mir ja vor Wochen einmal erzählt, dass ihr sogar schon von zu Hause weggelaufen seid, ohne ein Wörtchen von euch zu geben. Gott sei Dank hat er euch dann auf dem Spielplatz wieder entdeckt. Warum also solltet ihr einer fremden Verantwortlichen bescheid sagen? Obwohl, so fremd bin ich ja gar nicht.

Immerhin habt ihr nicht wieder meine Ohropax aus meinem Bett gemopst und zwischen euren Fingern zerknetet, ich hoffe, für euch war es ekliger als für mich, die einfach neue aus der Packung genommen hat.

Dass große Jungs auf Babyspiele keinen Bock mehr haben, nunja, das ist begreiflich, den anderen gleichaltrigen hat es übrigens Spaß gemacht, sich wie die Indianer anzuschleichen.

Und sicherlich ist es vor allem den überschwappenden Emotionen zuzuschreiben, dass Friedrich auf den Boden gepinkelt hat und danach Simons Polizeihut in das Pippi gehalten hat. Angeblich war das Geburtstagskind an der Pippi-Hut-Aktion ebenfalls beteiligt, das kann ich aber so nicht bestätigen, allerdings habe ich die Szene auch nicht verfolgt, weil ich gerade Pommes Frittes und Ketchup verteilt hatte. Simon, deine Kraftausdrücke waren … atemberaubend. Und deine Fußtritte auch.

Dennoch hoffe ich, dass dieser Geburtstag in eurer Erinnerung auch ein paar gute Momente bereithielt. Das gemeinsame Schaukeln zum Beispiel, ich hoffe, das war lustig, auch wenn ich mit der Wortwahl nicht so ganz einverstanden war, aber naja.

Menschen sind brutal, die Erwachsenen können das vielleicht subtiler ausleben. Kinderleben ist eben nicht so heileheileGänschen, wie wir Mütter es uns wünschen.

In der Hoffnung, dass zukünftige Geburtstage schön, friedlich und fröhlich ausfallen mögen,

grüßt euch,

eure Mara.

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18 Antworten zu “Offener Brief an die Geburtstagsgäste

    • Und heute habe ich mit der erbosten Mutter des Pinkel-Opfers telefoniert. Melek ist tatsächlich nicht beteiligt gewesen, und der Knabe, der die Mütze in die (übrigens schon ältere, vermutlich bereits versickerte) Pfütze gehalten hat, hat es wohl gemacht, weil der Hut-Knabe vorher fröhlich schlimme Schimpfwörter gesungen hat, Meleks Name kam da wohl auch drin vor. Aus mir unerfindlichen Gründen fand Melek seinen Geburtstag aber trotzdem gut. Wie gut, dass er eine andere Sicht der Dinge hat als ich. Seufz.

  1. uiuiuiui … aber ab jetzt wirds besser, jetzt beginnt das Alter des selbst gestalteten Programms. Der Kigebu wird dann zur Fete, die Elternrolle beschränkt sich dann auf Sponsoring.

  2. Oh GOTT! Ich habe das nicht gelesen, ich habe das nicht gelesen, ich habe das nicht gelesen – oder in zwei Wochen vergessen, wenn mein Sohn seinen Geburtstag feiert!

  3. Uff…ojeoje…mein voller und ganzer Respekt. Das muss ein ziemlicher Kraftakt gewesen sein. Aber, um ein grösseres trauma abzuwenden, „Hauptsache dem Geburtstagskind hat es gefallen“…Puh…

    • Das ist erstaunlich, ist aber wohl so. Bei meinem ganzen Frust hatte ich wohl nicht so sehr erwähnt, dass wir zwischendurch auch Spaß hatten. Melek hat furchtbar lachen müssen, als wir die Inhalte der Schatztüte ausprobierten, und er war stolz, das Rätsel erraten zu haben, das ihn zu den Schatztüten führte … immerhin was.

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