Tischlerschuppen-Pädagogik

Die drei kleinen Roboter bringen meine Drähte zum Glühen.

„Sohni, du darfst Max-Frederik nicht ins Gesicht treten!“

„Maxe sagen blöde Mama, Mama nicht blöde Mama, Mama liebe Mama“, erklärt Sohni trotzig. Sein Verteidigungsinstinkt in allen Ehren, aber …

MaxeMax-Frederik weinte jedenfalls, es war allerdings nicht zu erkennen, ob wegen des Trittes oder wegen der neuerlichen falschen Ansprache: „Ich Max-Frederik heißen!!!“

Max-Frederik geht mir allerdings auch ein bisschen auf den Senkel beziehungsweise seine Wutanfälle, die mich an den Rand des Wahnsinns treiben. Zum Beispiel am Sonntag Morgen um halb sieben; wie gut, dass wir Eltern bereits seit halb fünf wach waren, denn Melek und sein Freund Robin haben beschlossen, die Party vom Vorabend fortzusetzen.

„BLÖDES T-SHIRT!!“ brüllt MaxeMax-Frederik unflätig aus dem Kinderzimmer (3 Meter Luftlinie von unserem Bett entfernt), „T-SHIRT FALSCH IST!!!“

„Maxe, lass dir helfen“, lallt der beste Ehemann der Welt tapfer aus seinen Kissen, „komm doch mal her.“

Wutgebrüll. Beim zweiten Zuruf trabt er aber an, verwuschelt und im Unterhemd, das rote Cars-T-Shirt in den Händen – auf links gedreht. Die unlösbaren Probleme eines vierjährigen Jungen. Aus seiner Perspektive muss Vati direkt hinter Gott rangieren, denn mit einem Handgriff schafft Ehemann das Problem aus der Welt. Max-Frederik ist wieder froh. Und ich erst.

 

Alle Wochen wieder

testet Melek seine Grenzen beziehungsweise meine, und zwar ungemein effizient. Die letzte dieser Phasen liegt allerdings schon soweit zurück, dass ich vergessen hatte, dass es sie gibt. Die aktuelle Phase scheint auf dem Rückzug zu sein. Gott sei Dank. Unsere kleine Auseinandersetzung heute morgen war hoffentlich die vorerst letzte, jedenfalls für dieses Mal.

„Maxemaxemaxemaxe“, zischt der große Bruder.

„Ich nicht Maxe heißen!!“ schreit der kleine Bruder.

„Blöde Mama“, zischt der große Bruder.

„Mama nicht blöd ist!“ schreit der andere kleine Bruder.

„Melek, Ende jetzt, letzte Chance, sonst kannst du im Flur essen.“

„Letzte Chance“, äfft der große Riesensohn mich nach und sieht sich flugs in den Flur geschoben, wo ich ihn frage, was auf sein Brötchen soll. Wütendes Gesicht. Wir einigen uns auf Fleischwurst und ich bringe ihm sein Frühstück zur Klotür, zu der er sich zurückgezogen hat. Er soll ja nicht ohne Frühstück aus dem Haus gehen.

Ich werde den besten Ehemann von allen fragen, ob er unter der Hofüberdachung auch noch einen Tischlerschuppen bauen kann, so einen den man verriegeln kann, von innen und von außen. Das Schweigen des Nachbarn ist mir gewiss, der hat auch zwei Söhne.

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4 Antworten zu “Tischlerschuppen-Pädagogik

  1. „wie gut, dass wir Eltern bereits seit halb fünf wach waren,“
    Es gefällt mir, daß Du immer auch das Positive an einer Situation siehst.

    Kriegen die Jungs im Schuppen auch ein Schnitzmesser, wie Michel?

    Aber im Ernst: ich finde die Idee, den kleinen, äh, großen Provokateur in den Flur zu versetzen und die „Kriegsparteien“ so zu trennen, prima.

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