Und wann hab ich?

 

Jaja, ich weiß, Kinder sollen Ferien haben. Aber hat da auch mal jemand an die Eltern gedacht? Ich finde, dass Eltern von Kindern mit einem Wortausstoß von mehr als 4.000 Wörtern/Minute ein Betreuungsgeld für die Ferienwochen zustehen sollte. Ich werde das mal Frau Schröder vorschlagen.

Bis es soweit ist, verbringe ich die Ferienwochen mit einem vorwurfsvollen Dauerredner. Nach ungefähr drei Stunden stelle ich den Co.mputer an und schraube die pädagogisch erlaubte Medienzeit ein winziges bisschen höher.

„Mama“, beginnt der Morgen, „ey, das ist unfair. Sohni darf den Grießbrei rühren, und ich nicht!“

Bei der dringend notwendigen Generalüberholung  des Riesensohnzimmers stöhnt der kleine Kerl wie sein Vater, wenn er die Steckdosen reparieren soll. Auf dem Bett sitzend beobachte ich die quälend langsamen Fortschritte. Die des Riesensohnes, nicht des Vaters. Die Reparatur der Steckdosen steht seit drei Jahren ganz oben auf der Dringend!-to-do-Liste.

„Und du??“ schimpft es aus der Zimmerecke, von wo er die Steine aufklauben soll, um sie in die Steinekiste zu legen, „du machst ja gar nichts!“

„Ich helfe dir, indem ich dir beibringe, wie man aufräumt“, erkläre ich geduldig, „aber ich kann ja die Holzbausteine übernehmen.“

Heimlich werfe ich einige Kleinteile in entsprechende Kisten.

„Und das hier??“ fragt der kleine Riesensohn sodann genervt, „wo kommt das hin?“

„Das ist ein Legoteil“, erkläre ich, „das kommt in die Legokiste.“

„Und wo ist die Legokiste??“ Mein Sohn ist verpeilt.

Bei den Tapetenschnipseln hinterm Bett (ja, das Loch in der Tapete ist noch größer geworden) streikt er:

„Dann mache ich eben gar nichts mehr!“

„Gut“, erwidere ich, „dann mache ich eben auch gar nichts mehr.“

„Ey, was denn??“ Böser Blick.

„Na, dein Zimmer bleibt dreckig, ich koche kein Mittagessen mehr, lese keine B.ücher mehr vor und dein Kram bleibt im Flur stehen.“

Das hilft irgendwie immer.

Jetzt brauche ich nur noch jemanden, der sich bei mir aufs Bett setzt und schaut, wie ich das Büro aufräume.

 

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6 Antworten zu “Und wann hab ich?

  1. Ich stelle mir gerade vor wie es dann wird, wenn deine beiden late-talker auch zu viel-talkern werden. Das sind dann laut Adam Riese 12.000 Wörter pro Minute. Hm.

    • Sie werden es. Sie reden. Sie reden.
      Themen bei unseren ersten Hausaufgaben: Wasserflöhe/warum in Mineralwasser keine Wasserflöhe sind/Fischfutter/Eichhörnchenfellfarbe (mit Diskussion)/Tarnfarbe/Warum die Fabrik nicht gleich Schultüten mit Inhalt verkauft/Das Weiße in den Augen/ … ich bin sooo müde.

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