Der Sparsame und ich

P1080830Ich habe mich nie zu den klassischen Frauen gezählt, jenen, die 100 Paar Schuhe ihr eigen nennen (Elisabeth), oder 312 verschiedene Kleidungstücke (Elisabeth).

An Schuhen habe ich eigentlich nur vier Paare:

kniehohe Dockerstiefel in schwarz, für den täglichen Gebrauch, wenn die Temperatur unter 29 ° Celsius fällt,

schwarze Halbschuh-Dockers als Schuhe für gute Gelegenheiten, Prüfungen zum Beispiel,

orangefarbene Riemensandalen für Temperaturen ab 30 ° Celsius oder wenn ich etwas aus dem Keller holen will

Außerdem nenne ich noch ein Paar Halbschuhe mein eigen, die aber die Konsistenz von Pappe haben, weshalb ich sie nie lange anziehen kann.

Mein Kleiderschatz erschöpft sich in einigen recht alten Kleidern, die aus den Zeiten vor diversen Schwangerschaften stammen. Einige sind ein wenig eng um Brust und Taille, eines am Kragen zerrissen. Ein neueres stammt aus diesem Jahr, ist aber wegen seines Wollanteils nur bedingt als Sommerkleid tauglich; ich habe es ausprobiert.

Die Anzahl der derzeit tragbaren Hosen beträgt eins.

Hinzu kommen einige am Hals verschlissene lange T-Shirts, die ich Stück für Stück ersetzen möchte. So weit, so gut.

Der Ehemann stampft in mein Büro.

„Zum Geier! Hast du 348 Euro 20 für KLAMOTTEN an so einen Onlineshopüberwiesen???“

„Ja, aber“, sage ich.

„Du kannst doch nicht jeden Monat Geld für KLAMOTTEN ausgeben!!! Erst letzten Monat hast du etwas gekauft!“

„Das war ein BH, den brauche ich ja wohl; damit besitze ich drei, das ist nicht übertrieben!“

„Und die 348 Euro 20???“

„Das ist ein Onlineversandhandel, der an Neukunden nur gegen Vorkasse versenden; das meiste Geld kommt also wieder zurück.“

„Hase“, der beste Ehemann von allen steht in meinem Büro und macht energische Gesten: „Zwei Kleidungsstücke für jedes Körperteil, das ist in Ordnung: zwei Hosen, zwei …“

„Im Moment habe ich nur eine Hose.“

„Nagut, dann darfst du noch eine kaufen.“

„Eigentlich wollte ich ja nur den Hut aus dem Versandhandel.“

„Du wolltest nur EINEN HUT und hast dafür 348 Euro 20 überwiesen???“

„Und einige Hosen zur Auswahl“, ergänze ich.

„Jedenfalls: Zwei Stück für jede Abteilung.“

„Aha“, fällt mir eine Argumentationslücke ein, „und WIEVIELE T-Shirts hast du dir letztens gekauft??“

„Drei. Aber die haben nur sieben Euro gekostet.“

„Zwei Hosen insgesamt oder zwei Hosen für den Winter und zwei für den Sommer?“ lenke ich ab.

„Nagut, vier.“

„Und auch zwei Hemden, zwei Kleider für den Winter, zwei …“

„HALT! Wer zwei Kleider hat, braucht auch keine Hosen.“

„???“

„Ein Kleid ist zum Anziehen, eines zum Waschen.“

„Und wenn mal eines kaputt ist?“

„Dann kannst du es stopfen.“

„Mmpf.“

„Und Röcke?“

„Dito.“

„Tuniken?“

„Zwei.“

„Das heißt, ich kann mir das mittelalterliche Kleid aus Brokat für feierliche Anlässe von der Backe putzen?“

„Ganz genau.“

„Na, gut“, seufze ich, „dann also den Hut. Davon auch zwei?“

Andererseits, wenn ich es mir recht überlege, ist so ein mittelalterliches Brokatkleid doch bestens für den täglichen Gebrauch für Temperaturen unter 24 ° Celsius geeignet. Das passt bestimmt gut zum Hut … Morgen zähle ich mal Ehemanns Kleidung …

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20 Antworten zu “Der Sparsame und ich

  1. Zwei Kleidungsstücke pro Körperteil? D. h. nur zwei Paar Socken, nicht mehr als zwei T-Shirts? Weia.

    Da ist man ja ständig am Waschen? Gut, ist man mit drei kleinen Kindern vermutlich sowieso, aber jeden Tag?

    Dein Mann dürfte nie einen Blick in meinen Kleiderschrank werfen.

    • Doch, bitte! Lass ihn schauen!
      Mein Argument ist ja, dass alles länger hält, wenn man wechseln kann. Und was mache ich, wenn eines der beiden Kleider kaputt geht? Dann brauche ich schnell Ersatz. Und bei meiner Kleidergröße und meinem ausgefeilten Geschmack kann ich nicht das nächstbeste nehmen.
      Aber ich habe mir mal heute vorrechnen lassen, wie viel unser Haushalt in technische Geräte investiert… 😉

  2. Aaaalso, nur an T-Shirts – wobei da ein paar dabei sind, die mir leider nicht mehr passen, und einige, die man nur noch für Gammelnachmittage zuhause anziehen kann – habe ich gerade im Schrank über 60 gezählt. Und in Wäschekörben warten noch einige aufs Eingeräumtwerden oder aufs Gewaschenwerden (aufs Bügeln können die lange warten). Insgesamt sind es bestimmt an die 100. Aber viele sind auch 10 oder mehr Jahre alt und teilweise löchrig.

    Dazu kommen noch ein paar Blusen (relativ „wenig“, da habe ich letztens viele aussortiert), Pullis und Sweatshirts sowie eine Reihe von Strick- und Sweat- und Fleecejacken.

    Hosen: zwei oder drei Jeans, in die ich momentan reinpasse, zwei, in die ich irgendwann wieder reinzupassen hoffe, dazu zwei Cordhosen, zwei etwas schickere für den Fall, daß ich mal einen Kundentermin habe, eine Reihe mehr oder weniger tragbarer Shorts.

    Vier Kleider, die ich fast nie trage, weil ich mich in Kleidern nicht wohl fühle, und zwei Röcke, von denen einer nicht mehr paßt.

    Zu meinen Socken sage ich nichts, da kriegt sogar mein Schatz eine Krise…

    Du darfst mich gerne als negatives Beispiel anführen, wenn Dein Mann mal wieder meint, Du hättest zuviel Klamotten. 😉

    • Ja das ist echt Strange,wenns so wenig pro Abteilung sein sollen!!!
      Da hat unser Hund ja schon mehr Halsbänder! Und der ist kein Chihuahua … Na ja,viell bringt FRAU ja bald die Knete nach Hause….dann würde ich an deiner stelle schon mal ein paar „Ansagen“ Proben….

  3. Oh weia! Ich bin auch keine Shoppingverrückte, meistens lebe ich das nur aus, wenn wir in den USA sind und das ist auch nicht jedes Jahr – aber da habe ich dann doch mehr. Vor allem T-Shirts!! Ich werfe aber auch brav einmal im Jahr alles weg, was doof geworden ist oder ich nie getragen habe. Trotzdem. Leider alles nur Freizeit-T-Shirts und für die Arbeit unter dem Businessoutfit ungeeignet – da muss ich mal aufstocken 🙂 Wie gut, dass ich mein eigenes Konto habe 🙂

    Liebe Grüße

    • Naja, auch wenn ich mehr verdiene: Wir belassen es bei einem gemeinsamen Konto. Und sich gegenseitig ab und an an Sparsamkeit erinnern, finde ich ja prinzipiell gut; immerhin leben fast sechs Leute von einem Gehalt.

      • Da hast du natürlich auch wieder recht 🙂 Wir sind nur 3 🙂 Bei getrennten Konten ist es bei uns auch nur geblieben, da ich ehrlich gesagt, keine Lust hatte, meine Sachen alle umzumelden und nun mit dem Hauskredit vieles über mein Konto läuft und es kompliziert wäre 🙂 Sparsamkeit an sich ist definitiv nichts schlechtes, ich spare auch in jedem Fall wo ich kann 🙂

  4. Und wann beginnt er dir vorzurechnen, wie oft du unnütz wäscht, weil die Maschine nicht ganz voll geworden ist mit der Hose von dir, der von ihm und denen von den Kindern?
    😉

    • Ich finde ja auch, dass seine Argumentation Lücken hat. 😉
      Ab nächster Woche räume ich mehr Zeit für Haushalt ein. Ich glaube, das steigende Chaos macht ihm echt zu schaffen. Das äußert sich dann bisweilen in bizarren Eruptionen. Zugegeben habe ich ja auch die eine oder andere Macke *räusper*

  5. Boh, das wäre für mich absolut ein Unding. Was ich kaufe hat nur mich was anzugehen. Wenn mein Freund mir nun sagen würde, ich DÜRFTE mir dies und jenes nicht kaufen und DÜRFTE nur 2 Teile pro Körperregion besitzen, dann müsste er aber ganz fix die Beine in die Hand nehmen!
    Für mich klingt das so sehr nach veraltetem Rollenklischee und das kann ich aufs Verrecken nicht leiden.

    Ja ich weiß, ist ja nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Leben und sonst ist er sicher ein liebevoller Mann und Vater. Aber sowas…näää. Da krieg’sch Plaque von! 😀

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