Gute Mütter kommen in den Himmel. Und die anderen?

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Vor ein einigen Jahren fragte mich eine studierende Mutter, ob sie einige Sätze aus meinem Blog zitieren dürfe. Sie schreibe über das Thema „Der Mythos der `Guten Mutter´ – Aggressive Gefühle von Müttern als Tabuthema“. Das fand ich prima, hatte ich selbst doch schon vergeblich nach einem gut lesbaren Buch zu diesem verschwiegenen Bereich der Mutterschaft gesucht. Freundlicherweise darf ich aus der Bachelor-Arbeit von Anne Boigk zitieren, denn dieses Thema liegt mir sehr am Herzen. Die Hervorhebungen stammen von mir und sollen einzig den Text ein wenig untergliedern. Die im Text enthaltenen Links stammen ALLE von WordPress und sind nicht von mir!! WordPress schaltet Werbung dazu, um sich zu finanzieren. Wenn ihr also weniger Werbung sehen wollte, dann nicht anklicken!

Vielleicht überfällt die eine oder andere Mutter beim Lesen ja eine Art Erkenntnis: Es geht nicht nur mir so.

Heute zitiere ich aus dem Kapitel: „Der Erziehungsalltag“


Das Erleben von Müttern unterscheidet sich in vielen Punkten vom vorgegebenen
Mutterideal.
Schon die Mutterliebe ist keineswegs so rein, selbstlos und gleichbleibend, wie es die
Idealvorstellung der „Guten Mutter“ glauben machen möchte. Allein der Wunsch, ein
Kind zu bekommen, wird von vielen – bewussten und unbewussten – Motiven
beeinflusst, z.B. Kompensation der eigenen Kindheit, Rettung der Partnerschaft, das
Bedürfnis danach, bedingungslos geliebt zu werden, die Möglichkeit, eine Art
„Statussymbol“ zu besitzen etc.

Schon vor oder in der Schwangerschaft haben werdende Mütter ambivalente Gefühle gegenüber ihrem Kind, selbst wenn es lang ersehnt wurde

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Raphael-Leff erarbeitete das Modell von „facilitator“ und „regulator“.

Diese zwei Extrempositionen stellen zwei Typen von Müttern dar, wobei wenige Frauen einem
dieser Typen komplett entsprechen, sondern dazwischen anzusiedeln sind, aber eher in
eine Richtung tendieren.

Facilitator bauen schon in der Schwangerschaft eine Beziehung zum Kind auf, stellen sich vor, wie es aussieht und was es gerade tut, sprechen mit ihm etc. Sie betonen die Natürlichkeit von Schwangerschaft, Geburt und Kinderpflege, wollen nach der Geburt selbstverständlich stillen und sich nach den Bedürfnissen des Babys richten.

Sie haben Vertrauen darin, dass sie diese intuitiv erkennen. Sie genießen also die Schwangerschaft und haben eine positive Erwartung an Geburt und Kinderpflege. Andererseits gibt es auch die regulator, Frauen, die in der Schwangerschaft versuchen, möglichst normal weiterzuleben, nicht zu viel an das Kind zu denken, so wenig wie möglich Gefühle zuzulassen oder die das Kind vielleicht auch als Bedrohung erleben. Sie empfinden die Hilflosigkeit und Abhängigkeit eines Babys .. als beängstigend, fühlen sich an das Kind gebunden und fürchten um ihre Eigenständigkeit.

Daher wünschen sie auch, ihr Kind möglichst viel von anderen Personen betreuen zu lassen und z.B. möglichst frühzeitig wieder zu arbeiten. Sie fürchten auch den Kontrollverlust, der durch das Richten nach den Bedürfnissen des Babys entsteht. Diese Einstellungen werden von Vorerfahrungen geprägt, so wie auch die eigene Bindungs- und Beziehungsfähigkeit und die Erwartungen an Beziehungen zu einem großen Teil ein Produkt der frühen Kindheit sind

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Beide Einstellungen können – im Extrem ausgelebt – negative Folgen haben.

Die Schwangere, die Kinder haben als höchstes Glück ansieht und die Natürlichkeit des Mutterseins betont, steht in der Gefahr, überhöhte Erwartungen an Geburt, Kinderpflege und das Kind an sich zu haben, die – natürlich – enttäuscht werden und die Frau frustriert, verzweifelt oder verdrängend zurücklassen.


Eine eher negative Einstellung zur Mutterschaft kann dazu führen, dass es der Mutter
sehr schwer fällt, eine Beziehung zum Kind aufzubauen und dessen Bedürfnisse zu
erkennen …


Auch „Liebe auf den ersten Blick“ ist nicht die allumfassende Reaktion von frisch
entbundenen Müttern auf ihr Kind.

Das Aussehen eines Neugeborenen entspricht meist nicht der Vorstellung, die in der Schwangerschaft von ihm entstanden ist: es ist zerknautscht, schrumpelig, meist dünn. So verwundert es nicht, dass in einer Studie in einem Londoner Krankenhaus 40% von 120 befragten Müttern angaben, dass das vorherrschende Gefühl beim ersten Halten ihres Kindes Indifferenz war. Am Ende der ersten Woche berichteten die meisten dieser Mütter, dass sie auch positive Emotionen empfanden …

Die Liebe der Mutter ist also nicht auf einmal vorhanden – manchmal ist dies der Fall, manchmal muss sie aber erst langsam wachsen …

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Wie sich die Beziehung der Mutter zum Kind entwickelt, hängt von vielen Faktoren ab.

Pränatal können z.B. die Motive für die Schwangerschaft, die Tatsache, ob es eine
geplante oder ungeplante bzw. auch ungewollte Schwangerschaft ist, die Angst vor
einer Fehlgeburt oder Komplikationen während der Schwangerschaft die Einstellung der
Mutter beeinflussen. Auch das Eingehen der Mutter auf ein Neugeborenes oder ein
älteres Kind kann durch viele Faktoren beeinträchtigt werden, z.B. eine schwierige ..
Geburt, psychische Belastungen der Mutter, soziale Notlagen, körperliche Krankheiten
sowohl der Mutter als auch des Kindes, materielle Unsicherheit, ein schwieriges
Temperament des Kindes, nicht vorhandene oder unzureichende Unterstützung der
Mutter usw. …


Diese Ausführungen verdeutlichen, dass es DIE Mutterliebe nicht gibt.

Es gibt in der Gefühlsqualität und -ausprägung ganz verschiedene Mutter-Kind-Beziehungen, so wie jede Frau und jedes Kind unterschiedlich sind. Auch das Maß der Liebe zum Kind kann
sich verändern und sich zwischen verschiedenen Kindern unterschiedlich gestalteten

Die Ausgestaltungen der Beziehung der Mutter zum Kind hängt von der Persönlichkeit der Mutter, vom Kind und von äußeren Einflüssen ab. Genau so wenig, wie Mutterliebe immer gleichbleibend ist, stellen Mütter ihre Interessen und Bedürfnisse immer freudig zurück. Natürlich beinhaltet Muttersein auch das Aufgeben eigener Interessen und eine Einstellung auf das Kind, oft wird das auch dem Kind zu Liebe getan, aber nicht immer gern.

Frauen sind auch traurig darüber, enttäuscht, dass sie manches aufgeben müssen oder erschöpft und wütend, weil ihren Bedürfnissen nicht Rechnung getragen wird. Es kommt durchaus auch vor, dass einer Mutter andere Menschen oder auch andere Beschäftigungen manchmal wichtiger sind
als ihr Kind …

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Auch die Abwesenheit von ambivalenten oder ablehnenden Gefühlen entspricht nicht der Realität.


Auch die Versorgung der Kinder, die Erfüllung ihrer körperlichen Bedürfnisse, die
Beantwortung ihrer Fragen, das Schlichten ihres Streits, die Auseinandersetzung mit
ihnen etc. geschieht nicht immer mühelos.

Es kann enorme Anstrengung bedeuten. Ein Fazit, dass eine Mutter in ihrem Blog zieht, ist:

mütter können einfach alles.
[…]
das habe ich früher gedacht. mütter sind stark, geduldig, haben ihr leben im griff und
managen souverän auch eine fünfköpfige familie. und haben keinerlei bedenken, mit ihrer
kinderschar alleine klarzukommen. außerdem haben sie nerven wie stahl, ertragen
problemlos das wutgeheul eines dreijährigen und gleichzeitig das jammern eines
überreizten babies.
pustekuchen.
entweder bin ich …
A keine mutter oder
B ich habe mich geirrt.
da A nicht zutrifft, muss B zutreffen.
(Andersen)


Im Zusammenhang mit der Meinung, dass eine Mutter immer geduldig und
ausgeglichen ist und alles mühelos schafft, steht der Glaube, dass es – immer –
wunderschön ist, Kinder zu haben.

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Es ist nicht möglich, sich zu wünschen, dass das Kind oder die Kinder nicht da wären.

Die negativen Seiten der Mutterschaft werden verdrängt oder verleugnet. Die anstrengenden Aspekte der Elternschaft werden ausgeblendet werden bzw. wird außer acht gelassen, dass Elternschaft manchmal überwiegend anstrengend sein kann.

Wer aber den dritten Wutanfall am Tag erlebt, alle zehn Minuten Streit zwischen Geschwistern schlichten muss, permanent gefordert ist, kindgerechte Erklärungen für alle Phänomene des Alltags anzubieten und diese zu wiederholen, bis sie wirklich verstanden wurden, Reaktionen auf Fehlverhalten konsequent durchziehen muss usw. wünscht sich manchmal, keine Kinder zu haben

So fanden es die meisten der von mir befragten
Mütter (vgl. Abschnitt 2.4.1) zwar sehr schön Mutter zu sein .. , gaben aber zum Großteil
auch an, dass dies auch anstrengend ist .. .


Die Diskrepanz zwischen dem kulturell verankerten Mutterbild und der Realität wird gut
zusammengefasst durch eine Aussage von Gschwend:


„Die öffentliche Darstellung der Mutterschaft, unterstützt durch Medien und Werbung,
vermittelt ein verzerrtes Bild von Mutterschaft als reinem Glück und permanenter Erfüllung.
[…] Die Fernseh-Mutter ist stets gepflegt, gelassen, liebevoll und einfühlsam. Im Einklang
mit sich selbst hat sie das Familienglück aller voll unter Kontrolle. Unvorstellbar, dass sie
einmal die Nerven verliert, weint, schreit, tobt. […] Was die Bilder der Medien nicht zeigen,
sind die Monotonie, die Einsamkeit und die gnadenlose Häuslichkeit, die mit der
Kindererziehung einhergehen. Sie zeigen nicht, wie anstrengend es ist, ständig anwesend
zu sein, sich an feste Zeiten zu halten, zu nähren, zu pflegen, zu trösten, zu beschäftigen,
hinterher zu räumen, jede Menge undankbarer, monotoner Arbeiten auf sich zu nehmen
und andere glücklich zu machen. […] Sie sprechen nicht von den Momenten der
Erschöpfung, der Frustration, der geistigen und seelischen Depression und vom Zorn von
Müttern.“ (Gschwend 2009, S. 41)


Fasst man die Ausführungen zusammen,

zeigt sich, dass das Mutterbild und die Realität von Müttern weit auseinanderklaffen.

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22 Antworten zu “Gute Mütter kommen in den Himmel. Und die anderen?

  1. Ganz interessant, aber meines Erachten zu „fachlich“ geschrieben um wirklich die breite Masse an Lesern zu erreichen.
    Und eines kann ich eindeutig von mir weisen. Egal wie gefrustet ich von den Kindern manchmal war und am äußersten Ende meiner Nerven und Belastungsmöglichkeiten.
    Der Wunsch/Gedanke das ich keine Kinder hätte, und somit Reue mir das „angetan“ zu haben. Hatte ich definitiv noch nie!

    • Das ist gut zu lesen. Ich gestehe, dass ich mir schon manchesmal überlegt habe, wie es wohl ohne Kinder wäre. Und es gab Situationen, wo mich das blanke Entsetzen gepackt hat, was ich da eigentlich getan habe mit dem Kinderbekommen. Wie konnte ich nur!
      Wenn ich mir dann ernsthaft überlegt habe, wie mein Leben wohl ohne Kinder wäre, wurde mir bewusst,dass es mir dann auch nicht besser gegangen wäre. Vielleicht ist es bei mir noch eine besondere Situation, weil ich jeweils nach den Geburten an einer Depression erkrankt bin. Doch in diesen Zeiten hat mich das „Mutterideal“ besonders niedergedrückt.

  2. Ich finde das Thema sehr interressant.
    Ich finde aber auch, dass Mütter in meinem Umkreis sehr offen sind und auch ehrlich über die weniger schönen Seiten mit Kindern sprechen.
    Und was der Wunsch angeht die Kinder wären nicht da, geht es mir so wie machermama, den hatte ich wirklich nie.
    Ansonsten ist es trotzdem gut mal zu lesen, was von den Medien vorgegeben wird und was real ist und somit normal.
    Danke für den interressanten Text

    • Das ist schön, dass dein Umfeld da offen ist. Ich versuche auch, sehr offen zu sein und gebe beispielsweise mein Entsetzen und meine Angst vor den Kindergartenferien offen zu. Schon mehrmals haben mich Mütter vertraulich angesprochen: Sag mal, ist es bei dir auch so, dass … Das waren dann immer sehr schöne, erleichternde Gespräche. 🙂

  3. Für mich ist das Thema eher ein kleines bißchen uninteressant. Ich glaube ich werde mit diesem naiv-idealistischen Mutterbild einfach nicht konfrontiert. In meiner Wahrnehmung existiert es jedenfalls nicht. In der Werbung ja, aber wen interessiert das? Da esse ich ja auch Gemüsewurst mit Waschbrettbauch. Aber Waschbrettbäuche interessieren mich in Wirklichkeit auch nicht, also passt es wieder.

    Wenn ich so nachdenke war es eher so, dass ich in der Schwangerschaft von allen Seiten gehört habe, man könne sich erst vorstellen , wie anstrengend (und schön) das ist, wenn das Kind da ist. Und lange Zeit wollte ich keine Kinder haben, weil ich dachte, die schreien dann immer. Hat ja dann auch gestimmt 😉

    • Das bewundere ich schon immer an dir, dass du so stark internal validiert bist. Inzwischen bin ich da auch besser geworden, aber vor einigen Jahren war ich noch total verunsichert, wenn meine Empfindungen so gar nicht mit den gefühlten Erwartungen meiner Umwelt oder auch meiner eigenen übereinstimmten. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einer Freundin, der ich gestand, wie wahnsinnig unglücklich und zerrissen ich mich fühlte. Die sagte bloß, jetzt schau nach vorne, du hast so ein süßes Kind. Für mich war das schlimm.
      Und ganz frei vom Zeitgeist sind wir wohl alle nicht. Bei einigen Themen mehr, bei anderen weniger. Ich verweise nur auf die Ordnungsscham.

      • also das b-Wort mag ich nicht, und ich glaube auch, dass hier ein Mißverständnis vorliegt 😉 Aber das ist kein Thema für hier. Eher für „zwei Liter Eis für die Kinder und Klön-Zeit für die Mütter“.

        Was das Gespräch mit deiner Freundin angeht: wenn man es so liest wird schon klar, dass du dich da nicht verstanden oder ernstgenommen fühlen konntest (vermute ich jetzt mal waghalsing). Aber ich fürchte, das sind solche Sätze, die uns (mir) leicht rausrutschen. So ähnlich wie bei den Kindern „Ist doch nicht so schlimm, du musst doch nicht weinen.“
        Was hättest du dir in der Situation gewünscht? (wenn das nicht zu persönlich ist)

      • b-wort wie butzen? baubsaugen? baubermachen?
        oder bäsche sortieren, büche aufräumen, beppe fegen?
        Zwei Liter Eis klingt sehr gut. Leider kann ich erst ab Samstag wieder. Und du?
        Grüßlein,
        Maralein.

  4. Danke für diesen sehr guten Beitrag! Der Text spricht mir aus der Seele. Es ist nicht so, dass ich mir wünsche keine Kinder zu haben, aber der Gedanke, wie es ohne sie wäre, ist ab und an vorhanden. Ich habe vollkommen unterschätzt, wie sehr Kinder das Leben verändern. Im Rückblick ist das wohl naiv, aber vielleicht hat das auch mit dem Bild von Familie in den Medien und den Köpfen der Gesellschaft zu tun. Ich weiß es nicht! Wahrscheinlich auch mit einer Wunschvorstellung, die durch die eigenen Eltern und deren Erziehung geprägt wurde. Dinge, die ich als Kind nicht wollte, wollte ich bei meinen Kindern anders machen. Mein Vater war so ungeduldig und ich dachte immer, dass ich das anders machen werde. Aber ich bin mit meinen Kindern so ungeduldig wie mein Vater es mit mir war, es ist nicht so, dass ich nicht täglich versuche, das zu ändern, aber ich scheitere an meinen Idealen.

    Und vielleicht sprechen deswegen viele nicht offen, über ihren Familienalltag, weil es auch bedeuten würde, seine eigenen ‚Unzulänglichkeit‘ zu offenbaren. In einer Gesellschaft, in der es heißt, man könnte alles schaffen, wenn man sich nur genug anstrengt.

    Als meine Mutter vor kurzem bei einer Geburtstagsfeier stolz erzählte, dass sie ihre 4 Kinder nicht angeschrien hätte, da sie dies selbst als Kind so oft erlebt hat, wäre ich fast vom Stuhl gefallen. Ganz offen, das deckt sich so gar nicht mit meinen Erinnerungen.

    Ich versuche schon jetzt meinen Kindern zu erklären, warum ich geschrien oder gemeckert habe. Ich versuche mich dafür zu entschuldigen. Ich möchte auch später, wenn sie das Thema besser erfassen können, offen mit ihnen darüber sprechen, dass ich nie diese sog. ‚gute Mutter‘ war, aber dass ich versucht habe, die gute Mutter zu sein, die ich sein kann.

    • da ist doch das wesentliche, dass man Fehler zugibt und daran arbeitet.
      Tja, und die Erinnerungen, die sind ein ganz eigenes Thema. Deswegen lohnt es sich, Dinge möglichst sofort aufzuschreiben. Wenn ich das mal hin bekäme….

    • Unsere Erwartungen und Wünsche speisen sich aus vielen Quellen:

      Der Kultur, in der wir leben, dem Zeitgeist, unserer eigenen Geschichte. Gerade wenn man lange auf ein Kind gewartet hat (bei uns zum Beispiel), können die Erwartungen so hoch geschraubt sein, dass man zwangsläufig auf die Nase fallen muss. Das ist alles in einem gewissen Rahmen ganz normal. In deinen Gedanken, wie es wohl ohne Kinder wäre, steckt auch ein großes Potenzial. Was würdest du gerne machen ohne Kinder? Vielleicht einem Hobby nachgehen, (mehr) arbeiten gehen, alleine mit deinem Partner etwas unternehmen? Und warum nicht verwirklichen, einen Babysitter engagieren? Lernen, etwas für sich selbst zu tun. Spätestens wenn die Kinder ausziehen, ist das wichtig, um dem „empty nest“-Snydrom vorzubeugen.

      Und für die Kinder ist es auch eine Entlastung, wenn sie wissen, dass nicht sie der Lebensinhalt ihrer Mutter sind, sondern ihre Mutter sich gut um sich selbst kümmern kann.

      Mir hat mal der Krankenhausseelsorger gesagt: Ihre Kinder brauchen keine Märtyrerin, sondérn eine Mutter, als ich ihm meine Ängste und Unfähigkeiten gestand. Das fand ich gut. Letzendlich wäre eine Mutter, die immerzu geduldig und stark ist, auch ganz furchtbar, sogar angsteinflößend. Eine Mutter dagegen, die die Nerven verliert, schreit und Fehler zugibt, ist sozusagen perfekt, denn gerade daran lernen doch Kinder, dass wir nicht perfekt sind, sondern bekommen ein schönes Beispiel vorgelebt, dass es darum geht, wie wir mit unseren „Fehlern“ umgehen, dass man sich entschuldigen kann.

      Wenn du selbst unter deiner Ungeduld leidest (Geduld ist ja übrigens bei jedem unterschiedlich groß), steckt da auch ein Pótenzial drin: In welchen Situationen bist du besonders ungeduldig. Musst du vielleicht deine Grenzen früher als gedacht verteidigen? Brauchst du mehr Zeit für dich? Wo kannst du dich entlasten?

      Ich habe jetzt aus dem Bauch heraus geschrieben und meine eigenen Erfahrungen spielen da stark hinein. Ich kenne dich ja nicht und will dich da nicht überrumpeln. Aber eines kann ich dir sagen: Du bist die beste Mutter für dein Kind. Ganz liebe Grüße von einer, die mit sich selbst schon oft verzweifelt war.

  5. Ja. So ist das mit der Mutterliebe. Gerade eben rief mich ein junger Vater an, dessen Frau vor 3 Wochen zum ersten Mal entbunden hat. Mutter und Kind sind körperlich fit. Allerdings ist die Mutter von Anfang an nicht in der Lage, ihren Säugling auch nur anzufassen. Das kann passieren. Wie es der Mutter seelisch damit geht, möchte ich gar nicht genau wissen. Solche postnatalen Depressionen, Ekel,- und Abneigungsgefühle sind sehr häufig. Als Fachfrau erfahre ich davon, aber oft wissen die nächsten Angehörigen nichts über solche schlimmen Gefühle. Und die Mütter stehen damit sehr alleine.

    • Vielen Dank für deinen Beitrag!
      Ich selbst war in einer Selbsthilfegruppe für Frauen mit peripartalen psychischen Krankheiten und da wurde dies auch thematisiert. Wir haben so schön alle zusammen geweint. Und es tat jeder von uns gut, die verschiedenen Probleme, die oft vorher schon da waren und sich durch das Kind verändert, verstärkt, wieder hoch gekommen waren, zu sehen. Dieses schreckliche Gefühl, alleine dazustehen, mit den inneren, kruden Empfindungen, konnte damit verblassen und hat uns neuen Mut gegeben.
      Hier noch einmal der Link zu dieser Organisation:
      http://schattenundlicht.de/
      Vielen Dank und die besten Grüße,
      Mara

  6. Na ja. Das ist ja ganz schlüssig formuliert, aber im Ernst: Wer glaubt denn bitte an das Idealbild einer Mutter? Das ist doch eine Binsenweisheit, dass Mutterschaft zwar schön, aber durchaus anstrengend ist.
    Und dass sie niemals den Erwartungen entspricht.
    Ich bin fest davon überzeugt, dass, so wenig sich ein Jugendlicher ein Leben mit 40 vorstellen kann, so wenig kann sich eine junge Frau ausmalen, wie ein Leben mit Kindern aussehen wird. Machen muss sie die Erfahrung selber. Natürlich weiß jedermann/jedefrau, dass es nicht der Pamperswerbung entspricht. Ich glaube nicht, dass die Mutterschaft im öffentlichen Bild mit einer rosaroten Brille betrachtet wird.

    • Ich gestehe: Ich gehörte dazu. Und bei mir war die Mutterschaft der ersten Jahre nicht nur anstrengend, sondern „nicht schön“. Das ging dann in die Depression hinein. Und ich habe mich gefragt, warum ich nicht einfach total glücklich sein kann, wo doch Kinder angeblich das beste sind, was einem passieren kann. Zu deinem anderen Kommentar: Zur besseren Lesbarkeit, habe ich die Literaturzitate herausgestrichen. Anne hat ihre Bemerkungen allesamt mit Literaturangaben unterlegt.
      Aber ich finde es schön zu lesen, dass es auch Frauen gibt, die realistisch ans Leben herangehen. Ich bin da wohl ein Träumerle. Liebe Grüße,
      Mara

      • Depressionen sind aber nochmal ein eigenes Thema.
        Ob das nur von der nicht erfüllten Erwartung herrührt? Mir sagte jemand vor der ersten Geburt: Das erste Jahr kannste in die Tonne treten. Der Spruch, so furchtbar er ist, hat mir sehr geholfen. Beim zweiten weiß man, dass alles wieder besser wird. Bei Zwillingen kann ich nicht mitreden, nur ahnen…

  7. Eine „Wissenschaftlichkeit“ würde ich hier außerdem stark infrage stellen. Zitiert wird ein Herr Gschwend. Untermauert wird das mit der Befragung einiger Mütter („Ob es denn immer schön sei, Kinder zu haben oder auch anstrengend…“). Allein die Frage! (Bzw. die Antworten, die darauf schließen lassen). Sorry, aber das ist mir zu indifferent, bzw. zu trivial im Fazit.
    Schluss jetzt. Das Thema an sich ist natürlich spannend.

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