Lippenblut und andere Premieren

Die letzte Woche war eine Woche der Premieren.

Eine davon, vielleicht die beeindruckendste, war die, dass Maxe eine ganze Nacht lang „selba“, d.h. ALLEINE in SEINEM Bett verbracht hat. Seit er unter Aufbietung aller Kräfte sein Gitterbett alleine und mit lautem Knall verlassen konnte, zieht er nämlich allnächtlich um. Seitdem durfte er auch in einem Bett ohne Gitter schlafen, die Unfallgefahr erschien uns zu hoch und sein Geschrei allnächtlich zu laut.

Die Nacht alleine in seinem Zimmer blieb P1050337die einzige. Dann zog er wieder um.

Und zwar nach einer aufsehenserregenden, allerdings bei Tage statt findenden Premiere, bei der Melek innerhalb von zwei Stunden sein Zimmer so aufräumte, dass es tatsächlich aufgeräumt aussah. Da beschlossen die beiden Brüder, dass es schöner wäre, zusammen in einem Zimmer zu schlafen.

Jetzt war ja wieder Platz auf dem Teppich vor Meleks Bett.

Noch eine Premiere. Bisher bestanden alle meine Kinder darauf, dass sonst NIEMAND in IHREM Zimmer schlafen darf – außer Mama. Und die will nicht.

Das machten sie zwei Nächte lang, dann war der beste Ehemann von allen wieder da und Maxe erneut unter Papas Bettdecke.

Die Sieben-Meter-Eibe

Fast umgefallen wäre ich, als ich am Sonntag die Stimme zweier Söhne hoch über mir in den Baumwipfeln erhörte.

„Huhu, Mama! Wir sind hier oben! Hallo, Mama!“

„Oh, Gott“, hauchte ich dem Ehemann zu, und nur unserer Rücken-an-Rücken-Sitzposition war es zu verdanken, dass ich nicht einfach umgefallen bin.

Melek winkte aus dem Baumwipfel. Sohni schaffte nur die fünf Meter Grenze, aber ab einer Höhe von zwei Meter zwanzig ist meine Herzfrequenz sowieso auf einem hochgelegenem Plateau angekommen. Höher geht nicht.

Lippenblütige Glitzerdrachen

Es war übrigens derselbe Sonntag, den die Zwillinge zum Karnevalssonntag P1050563erklärten. Anschnallen mit Flügelchen und einem mit Watte gestopften Drachenschwanz ist nicht unmöglich, wenn man wirklich will. Auf einen Baum klettern schon. Am Nachmittag entledigte sich Maxe daher seines Kostüms, schaffte aber trotzdem nur einen Meter fünfundzwanzig. Gut für mein Herz.

Am Abend opferte ich dann einige der Babywaschlappen der Drachenlippe. Der kleine Drache hatte die Reservepackung mit den Rasierklingen entdeckt und versucht, sich die Unterlippe zu rasieren.

Es ist unglaublich, wie viel Blut aus drei Schnitten fließen kann. Mehrere kühle, nasse Waschlappen und zwei lange Wickie-Filme halfen dann der kleinen Seele, über den Schmerz hinwegzukommen, aber vermutlich wird er ein vollbärtiger Zottel werden, weil er so ein Ding nie wieder anfassen wird.

Brutale Rache

Und nun bin ich wieder zwei Nächte Strohwitwe. Der ansonsten beste Ehemann der Welt fragte mich am Tag zuvor, ob es ok wäre, wenn er heute im Himalaya und morgen bei den Fraggles weilen würde. Ich ahnte schon, dass es sich um eine rhetorische Frage handeln würde.

„Wenn du es schaffst, die drei ALLEINE ins Bett zu bringen … „, lautete meine boshafte schelmische Anmerkung, „DANN darfst du gerne fahren – und mich OHNE Elisabeth mit DREI KINDERN ALLEINE lassen.“

Er hat´s getan. Ich bin sicher, dass er die drei solange Wickie-Filme gucken ließ, bis sie vor dem IPad eingeschafen sind.

Allerdings keine schlechte Methode, wie ich zugeben muss. Das werde ich heute abend auch mal ausprobieren. Aber vielleicht nehme ich etwas Langweiligeres als Wickie-Filme.

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6 Antworten zu “Lippenblut und andere Premieren

    • Es geht ihm wieder gut. Die Schnitte waren auch nicht groß, aber glatte Schnitte gehen nicht so schnell wieder zusammen. Die Lippe war noch ein bisschen dick, aber kein Blut mehr, Gott sei Dank. Die Packung war ganz hinten im Regal. Jetzt ist sie noch besser versteckt. Danke für den lieben Kommentar, Mara.

  1. Du grüne Neune! Gute Besserung und schnelle Heilung dem armen Kerl.

    (Wenn er erwachsen ist: elektrische Rasierer sollen ungefährlicher sein! Aber da hat er ja noch ein paar Jahre Zeit. )

    • Kein Blut mehr! Man sieht nur noch die verschorften Stellen, aber es tut auch nicht weh nach seiner Aussage. Immerhin ist es nicht ins Auge gegangen.

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