Wumm oder Nichtwumm?

Unterstützen wollte ich das in keinem Fall.

Zunächst.

Zumindest war nicht ich es, die dem kleinen Riesensohn Tarnhose und -hemd gekauft hat.

„Eines von beiden, finde ich, geht noch“, versuche ich den Kleidungsstil zu modifizieren, „aber beides?“

„Wieso, Mama?“ fragt der kleine Riesensohn.

„Weil“, erkläre ich, „es echte Soldaten gibt, die solch ein Zeug tragen und außerdem echte Waffen und die erschießen andere Leute auch in echt. Und das finde ich ganz schrecklich.“

„Aber, Mama“, argumentiert der kleine Riesensohn, „meine Pistole ist doch nicht echt.“

Getreu meinen Prinzipien, dass alles erlaubt ist, es geht halt um das `wie´, führe ich einige Grundregeln ein.

Keine Waffen auf Menschen richten. Zum Beispiel.

Schwerter haben wir. Die gehören zu den Rittersachen, und ein richtiger Ritter beschützt die Armen und Schwachen. Jedenfalls die edlen Ritter. In Friedenszeiten trägt so ein Ritter seine Siebensachen gesittet am Mann.

Kämpfen taten die Ritter auch, allerdings zu Übungs- und Wettkampfzwecken. Und so, dass keiner dabei umkam. (Korrekturen an meinem historischen Basiswissen lasse ich in diesem Falle nicht zu.)

Bei Pistolen bin ich vorsichtiger. Die Wasserpistolen habe ich allerdings gekauft, nachdem ich meine Bedenken bezüglich des Waffengebrauchs geäußert und ernsthafte Versicherung zurückerstattet bekam, dass er das doch alles wisse und überhaupt: „Mama, da kommt doch nur Wasser raus.“

Cowboypistolen haben wir (noch) nicht, die sehen mir auch irgendwie zu echt aus. Kein Vergleich jedenfalls zu dem Schaumstoffschwert.

Aber Pistolen haben die Jungs natürlich trotzdem. Sogar hunderte. Alle selbst gesammelt vom Wald- und sonstwelchen Böden.

Bei näherem Nachdenken stelle ich den Sinn dieses Waffenarsenals fest: Es geht um die Aufrechterhaltung der Illusion, unbesiegbar, unverletzlich, kurz stark zu sein. Daher die Einbrecherfallen im Hof. Und daher die silbern angemalten Superwummen mit eingebauten Raketen. Daher auch die Raumfähren, die mehr Raketen an Bord haben als Menschen. Die versteckten Waffenfächer, falls die übliche Munition nicht ausreichen sollte.

„Mama, ich darf Menschen erschießen, oder?“

„???“

„Wenn mich einer töten will, was soll ich denn sonst machen? Mich umbringen lassen? Nö, das will ich nicht. Oder wenn mich einer entführen will. Dann schieß ich den tot.“

Da flimmert mein Herz. Die Welt mit ihren Schrecken kommt näher. Und irgendwann das Wissen, dass wir uns nicht dagegen wehren können.

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12 Antworten zu “Wumm oder Nichtwumm?

  1. Irgendwann kann man sich nicht mehr 100% davor schützen das die Jungs mit sowas anfangen ;(
    Kontrolle und Aufklärung wie du es schon betreibst ist da alles was man machen kann denke ich.
    Komplett verbieten macht die Sache nur noch interessanter leider.
    Mein Sohn spielt auch ab und an mal mit einer gefundenen Pistole (Äste etc)
    Kein Waffe auf Menschen richten, und ich spiele nicht mit. So minimiere ich das Ganze was er aus dem Kiga mitschleppt.

    Aber woher kennt dein Sohn denn die Raumfähren mit Raketen und kommt auf die Idee das er sich mit einer Waffe verteidigen muss falls ihn jemand umbringen will???

    • Ich nehme an, aus dem Kindergarten. Die Kinder aus seiner Gruppe sind vermutlich spielzeugtechnisch besser ausgerüstet als er und er geht dort ja auch spielen. Die Umbring-Sache ist die, dass ich ihm erklärt habe, dass er mit niemandem mitgehen darf, bei dem ich nicht mein OK gegeben habe, auch wenn ihn jemand ganz freundlich anspricht. Weil er ein gründlicher Mensch ist, hat sich ein Gespräch ergeben, in etwas so: Warum gibt es Menschen, die Kinder entführen? Was machen die mit denen? Das ist doch toll: Dann haben die ganz viele Kinder! Ich habe ihm erklärt, dass es Gott sei Dank sehr wenige Menschen gibt, die so etwas machen, aber es gibt eben Menschen, die Kinder umbringen (die üblichen Schrecklichkeiten habe ich nicht erwähnt). Vermutlich kommt es daher.

  2. Jetzt bin ich doch ein bisschen betrübt.
    Da versucht man, die bösen Seiten der Welt von den Kindern solang es geht fernzuhalten, doch es geht einfach nicht. Irgendwann kommt es eben doch durch.

    • Ja, und die sensiblen Kinder sind gedanklich dann sehr, sehr beschäftigt. Dass ich nicht ewig leben werde und leider auch nicht garantieren kann, dass ich 120 Jahre alt werde, weiß er leider auch.

  3. Ich habe bei Thema auch gemischte Gefühle. Mein Mann hat für die Kinder zu Karneval Spielpistolen gekauft und mein Ältester hat sich vom Taschengeld kurze Zeit später noch eine ‚Erbsenschießpistole‘ gekauft. Diese hat er dann aber anstelle von Erbsen mit Liebesperlen geladen, um sie sich zum Verzehr in den Mund zu schießen. Getreu nach dem Motto ‚make love not war‘. 😀

      • Er hat nix gesagt. Da er eigentlich sehr empfindlich ist, denke ich, dass es nicht weh tut. Und es ist eine Pistole für 1,99 € vom Lebensmittelgeschäft um die Ecke. So groß ist der Kawumm nicht. Vielleicht mache ich mal einen Selbstversuch. 😉

      • Klar, irgendwie ist das auch makaber. Aber eigentlich wollte ich damit sagen, dass er die Pistole nicht haben wollte, um andere damit im Spiel ‚abzuknallen‘, sondern um sie einfach zu haben. Vielleicht auch, weil er gemerkt hat, dass ich nichts davon halte… Ich bin mir sicher, dass er nichts böses oder gefährliches in einer Plastikpistole sieht. Den Part übernehme ich, weil ich weiß, wofür echte Pistolen sind. Deswegen ist es aus seiner Sicht als Kind nicht makaber, weil er damit nicht automatisch den Tod verbindet… Schwieriges Thema…

      • Das stimmt. Für unsere Kinder sind Pistolen ja zunächst nix schreckliches, sondern einfach faszinierend. Und billige Plastikpistolen sind gebongt. Ich habe mehr Respekt vor diesen fast echt aussehenden Spielzeugpistolen. Aber es kann ja nicht schaden, wenn das Kind auch eine andere Meinung hört.

  4. Als ich heute las, daß in Kentucky ein Fünfjähriger seine zweijährige Schwester erschossen hat, mußte ich an diese Diskussion hier denken. Die einen (in meinen Augen verantwortungsvollen) Eltern machen sich schon Gedanken, wenn ihre Kinder mit Spielzeugwaffen hantieren. Andere schenken einem Kleinkind ein echtes, auf Kinder zugeschnittenes Gewehr („My first rifle“). 😦

    • Das ist so furchtbar. Fällt so etwas nicht unter fahrlässige Tötung? Es war doch gut, dass wir unsere Mäuse nicht getötet haben. Im Kleinen fängt es an. Der Respekt vor der Kreatur. Heute sagte der kleine Riesensohn: „Mama, ich rette alle Tiere, die in das Wasser fallen. Guck mal, was ist das für ein Käfer?“ Das fand ich schön. Inzwischen scheint sich ein Trend abzuzeichnen hin in Richtung „Werkzeuge“. Ein neues Thema? Ich würde aufatmen. Schnitzen darf er schon. Letztens kam der Hammer. Und jetzt will er sich eine Schatzkiste bauen. Ich soll die Zeichnung machen …

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